So unterschiedlich wie die Mitarbeiter selbst sind ihre Lieblingsausstellungsstücke. Unser Team stellt sie Ihnen vor:

Leitung

Marianne Tazlari

Marianne Tazlari, GlasmuseumMarianne Tazlari fällt es schwer, sich für ein Lieblingsstück zu entscheiden: für das Guttrolf-Kännchen aus dem 3. Jahrhundert nach Christus oder doch für die große Guttrolf-Gluckflasche aus dem 15. Jahrhundert? Die altertümlichen mehrröhrigen Scherzartikel, auch „Angster“ oder „Guttrolfe“ genannt, erschwerten durch ihre ungewöhnliche Form das Trinken und Ausschenken. Oft ging etwas daneben – zum Spaß der anwesenden Gäste. Die ca. 20 Guttrolfe bilden den Beginn, das „Herz“ der Löberschen Sammlungsleidenschaft., die sich vor allem mit der verlorengegangenen Technik der Guttrolf-Gluckflaschen (Wie kamen die 3-5 Röhren zustande?) und der Glastechnologien insgesamt befasst.

Marianne Tazlari, GlasmuseumDas neueste Ausstellungsstück aus dem Jahr 2019 zählt ebenfalls zu den Lieblingen der Museumsleiterin: Die Sky-Graal/Himmels-Vase von Heide Breit (Zwiesel/Bayer.Wald) ist mithilfe der sogenannten Graal-Technik gefertigt. Das aufwändige mehrschichtige Verfahren schafft Glasobjekte wie hier den „blauen“ Planeten- umhüllt von weißen Wolken. Marianne Tazlari: “Für mich ist dies kein dekorativer meisterlich gefertigter Gebrauchsgegenstand, sondern ein künstlerischer Ausdruck für unsere Zeit und deren Zerbrechlichkeit. Welch anderes Material als Glas hätte dies besser gekonnt?”

Barbara Benz

Barbara Benz, GlasmuseumDas Lieblingsstück von Barbara Benz hat fast jeder zuhause: die Gemüseschüssel aus feuerfestem „Jenaer Glas“. „Es freut mich immer wieder zu sehen, wie überrascht Besucher und Besucherinnen sind, wenn sie „ihre“ Gemüseschüssel in unserem GLASMUSEUM WERTHEIM entdecken“, berichtet Barbara Benz. Die Schüssel besteht aus Borosilicatglas. „Das Glas war eigentlich für Laborzwecke bestimmt, da es –eine Revolution in der Glastechnologie -,  sowohl Hitze als auch Kälte aushält“, erklärt die wissenschaftliche Mitarbeiterin weiter. Wilhelm Wagenfeld, künstlerischer Leiter bei Schott, hat diese Eigenschaften genutzt und brauchbares Haushaltsgeschirr für die Serienproduktion entworfen. Dazu gehört auch die in den 1930er Jahren entworfene Gemüseschüssel: zum Backen in den Ofen, zum Servieren auf den Tisch und zum Aufbewahren in den Kühlschrank.

 

 

Trägerverein

Paul Hahmann

Paul Hahmann, GlasmuseumPaul Hahmann, erster Vorsitzender des Glasmuseums, ist fasziniert von demantiken römischen Messbecher aus dem ersten Jahrhundert nach Christus. Für was genau der „Modiolus“ ursprünglich verwendet wurde, ist unklar: So könnte der Becher für die Weinbereitung eingesetzt worden sein. Es könnte sich bei dem historischen Fundstück aber auch um ein Gefäß für Soße handeln. Eins aber ist klar: Einen solch geschichtsträchtigen Messbecher gibt‘s nicht überall zu sehen.

Eckhard Lenz

Eckhard Lenz, GlasmuseumDas Lieblingsstück von Eckhard Lenz sind zwei Messkolben aus Laborglas der Wertheimer Firma Brand. „Wertheimer Laborglas – das ist Messtechnik in höchster Präzision“, weiß der zweite Vorsitzende des Glasmuseums.
Wertheim zählt nach Mainz bis heute zur wichtigsten deutschen Produktionsstätte von Laborglas für Chemie, Pharmazie, Medizin und Forschung.

Jürgen Küchler

Jürgen Küchler, GlasmuseumDas Lieblingsstück von Jürgen Küchler: ein filigran gearbeitetes venezianisches Flügelglas. „Im 12. Jahrhundert ist es Venezianern erstmals gelungen, das Glas klar wie Bergkristall zu waschen“, berichtet der Beirat des Museums. Eine besondere Herausforderung, denn Glas hat von Natur aus einen Farbstich. Den grünen Farbstich im Glas zu neutralisieren gelang nur mithilfe des rötlichen Mangans, der sogenannten Glasmacherseife.

 

 

Glasbläser

Frank Krause

Frank Krause, GlasmuseumFür Wertheimer Touristen und Besucher des Museums fertigt Frank Krause kunstvolle Flaschen, die man gleichzeitig mit Öl und Essig befüllen kann. Neben seiner Tätigkeit im Glasmuseum Wertheim, betreibt der Glasbläser eine eigene Glaswerkstatt und war Fachlehrer an der Wertheimer  Glasfachschule. Seine Glasobjekte vertreibt er über Glasbläserkollegen auf den Flußkreuzfaht-Schiffen, die auf dem Main bei Wertheim anlegen: „Dort laufen die Flaschen als Andenken besonders gut“, berichtet der Glaskünstler.

Ralf Marlok

Ralf Marlok, GlasmuseumDas Lieblingsstück von Glasbläser Ralf Marlok ist eine dickwandige Glasvase aus dem Jahre 1976. Das Ausstellungsstück stammt aus der Hand von Dale Chihuly, bis heute der bekannteste lebende Glaskünstler in den USA. Der Künstler ist vor allem für seine überdimensionalen Installationen und floralen Glasskulpturen u.a. in Venedig, Israel, Tschechien und den USA bekannt. „Mit amerikanischen Besuchern des Museums kommt man da schnell ins Gespräch“, erzählt Marlok, der im Museum als Glasbläser arbeitet.

Tommy Kies

Tommy Kies, Glasmuseum„Als Glasbläser bewundere ich vor allem die technische Umsetzung und die raffinierte Idee des Verdrehens zum Zickzackmuster“, erklärt Tommy Kies zu seinem Lieblingsstück. Bei der Kugelvase des Wertheimer GlasbläsersReiner Herzog handelt es sich um eine Lampenglas-Montage. Dunkles Grün, leuchtendes Orange und klare, feine schwarze Linien fügen sich zu einem geschwungenen Muster. Ein handwerkliches Meisterstück: jede Glasfarbe dehnt sich beim Erhitzen unterschiedlich aus. Um die Glasfarben aneinander zu „montieren“, also miteinander zu verschmelzen, muss der Glasbläser die unterschiedlichen Temperaturgrenzen genau abschätzen. Falls nicht, besteht die Gefahr, dass alle Farben ineinanderlaufen. Also: Je klarer die Farbränder, je feiner die schwarzen Konturlinien, desto perfekter ist das handwerkliche Können. Entstanden ist das Wertheimer Ausstellungsstück im Jahr 1991.

 

 

Museumsshop

Tina Diehm

Tina Diehm, Glasmuseum„Ich liebe die Kunst der Glasbläser und ihre Vielseitigkeit“, sagt Tina Diehm. „Besonders haben es mir filigrane Arbeiten angetan“, fährt sie fort. Das erklärt ihr Lieblingsstück: Till Eulenspiegel von Olaf Schönherr (Schweinfurt). „Die grazile Figur wirkt lebendig, farbenfroh und zart“, sagt Tina Diehm. Olaf Schönherr ist als Kunstglasbläser vor allem für sein Können in der Überfangtechnik bekannt. Dabei handelt es sich um Arbeiten, in denen Glasbläser unterschiedliche Farbglasschichten innerhalb eines Objektes verschmelzen und dann die Motive mit Sand herausstrahlen.

Veronika Habel

Veronika Habel, GlasmuseumVeronika Habel arbeitet im Museumsshop und ist begeistert von der mühevollen Handarbeit, die hinter all den Glasarbeiten steckt.
Ihr Lieblingsstück ist eine Kette: „Jede einzelne Glasperle ist an der Flamme handgewickelt“, berichtet sie sichtlich fasziniert. Die Kette aus sommergelben Glasperlen wurde, wie andere Glasarbeiten aus dem Shop, von Ute Schreml aus Dinkelsbühl gefertigt.

Elvira Kirchner

Elvira Kirchner, GlasmuseumElvira Kirchner ist begeistert von der magnetischen Sanduhr. Anstatt mit Sand ist dieses Exemplar mit feinen Metallspänen gefüllt. „Berühren diese den Boden, türmen sich die Späne zu wundersamen Formationen auf“, beschreibt Kirchner. Verantwortlich dafür sind die Kräfte eines Magneten, der in den Holzboden eingelassen ist.

 

 

Museumsdienst und Führungen

Martina König

Martina König, GlasmuseumEine Krone ist Martina Königs Lieblingsstück – keine fürstliche, sondern eine, die Revuetänzerinnen trugen. „Bei meinen Führungen mit Kindern ist die Krone der Revuetänzerinnen das Highlight“, erzählt Martina König. Denn das opulente Schmuckstück glitzert nicht nur in allen Regenbogenfarben, sondern eignet sich auch hervorragend dazu, um die physikalischen Eigenschaften von Licht zu erklären: Warum bricht sich das Licht in geschliffenem Glas? „Die Krone darf jeder mal anprobieren – übrigens ist sie bei Jungs und Mädels gleichermaßen beliebt“, berichtet die Glaskennerin.

Brigitte Dosch

Brigitte Dosch, Glasmuseum„In England, Neuseeland und Irland kennt das Gefäß jeder – deswegen ist es ein Highlight bei meinen englisch-sprachigen Führungen durch das Glasmuseum“, berichtet Brigitte Dosch über ihr Lieblingsstück – dem sogenannten „Yard of Ale“: ein hohes Bierglas, das mit rund 91 cm Länge, an die 1,14 Liter fasst. Erstmals erwähnt wird das Glas im Jahr 1617. Später, im Jahre 1685, sollen die hohen Gentlemen zur Proklamation von König James II. aus einem Flintglas (Glas mit 24% Bleianteil) wie diesem getrunken haben.

Karin Haack

Karin Haack, GlasmuseumKarin Haack ist angetan von Weihnachtsbaumschmuck aus den 1920er- und 30er-Jahren: Fliegenpilze aus Milchglas.  „Die schlichte Eleganz der Ausstellungsstücke passt hervorragend in die „Art Déco“-Zeit“, schwärmt die Buchhalterin. Lauscha im Thüringer Wald war bekannt für die Herstellung von Christbaumschmuck. Für das Blasen dünnwandiger Glaskugeln und Schmuckanhängern braucht es eine besonders heiße Flamme, die man mit Gas erzeugen muss. So profitierten die Glasbläser von dem Gaswerk, das 1867 in Lauscha gebaut wurde. Die feine, präzise Arbeit dieser Thüringer Christbaumschmuckglasbläser ist die Wiege der späteren Laborglasindustrie.Daran erinnert jährlich zur Weihnachtszeit das GLASMUSEUM WERTHEIM mit seiner inzwischen überregional bekannten, grossen „Christbaumschmuck aus Glas“ – Ausstellung mit Bazar und dem beliebten Kugelblasen.Größtes Ausstellungsstück ist der „Thüringer Baum“ in der Eingangshalle: ein 4m hoher echter Tannenbaum, bestückt mit über 500 gläsernen Figurenelementen aus Glas.

Sigrid Keller

Sigrid Keller, GlasmuseumWie zu allen Ausstellungsstücken im Museum, kennt Sigrid Keller auch die Geschichte ihrer Lieblingsstücke, Glasrohre, die per Kegelschliff verbunden sind: „Bis ins 19. Jahrhundert nutzten Chemiker Korken, um Glasrohre miteinander zu verbinden. Das Problem: Kork ist instabil und bröselt leicht. Auf einem Berliner Weihnachtsmarkt beobachtete der berühmte Chemiker Justus von Liebig einen Thüringer Glasbläser und hatte eine Idee: Warum nicht Verbindungsstücke aus Glas herstellen? Er sprach mit dem Künstler, der daraufhin den Kegelschliff erfand. Die moderne Laborglasindustrie war geboren.“

Hans Müller-Rodenbach

Hans Müller-Rodenbach, GlasmuseumDie Glas-Äxte haben für Hans Müller-Rodenbach vor allem  symbolischen Wert: „Für mich sind sie Ausdruck dafür, wie sensibel die Mitarbeiter hier hantieren müssen und wie brüchig manchmal die Bemühungen sind, aber auch, dass immer ein gewisser Glanz dabei ist“, erklärt der Hausmeister beim Anblick der Ausstellungsstücke. Bei den Glasäxten wurden Holzstil und Axtblatt jeweils wechselseitig aus Glas gefertigt. Der Künstler Sebastian Richter aus Halle spielt dabei mit der Verfremdung von Alltäglichem und zwingt den Betrachter, sich mit neuen Perspektiven auseinanderzusetzen.

Evi Petzold

Evi Petzold, Glasmuseum„Trinke wohl, lebe immerdar“ steht auf dem Lieblingsstück von Evi Petzold. Ein fragiles Netz aus geschliffenem, dreifarbigem Überfangglas umrankt den glockenförmigen Körper. Als Diatretglas („durchbrochen“, lateinisch) fertigten die römischen Glasmacher ab dem ersten Jahrhundert prunkvolle Trinkbecher. Josef Welzel hat ein Exemplar nach dem römischen Kölner Vorbild geschliffen. Seit 1988 ist Evi Petzold fasziniert von dieser Kunst. Damals besuchte sie die Ausstellung „Glas der Cäsaren“ in Köln. Bei einem der Ausstellungsstücke handelte es sich um ein Diatretglas aus dem 4. Jahrhundert. „Das Original hat mich ebenso begeistert, wie die Arbeit von Josef Welzel“, erzählt die Glaskennerin.

Ob aus einem Überfangglas herausgeschliffen oder aus zwei ineinander gefertigten Gläsern und dann nachgeschliffen, wird seit den 1990er Jahren weltweit zwischen unserem Mitglied Rosemarie Lierke (Mathematikerin) und v.a. dem Corning-Museum (USA) kontrovers diskutiert.

Lothar Voss

Lothar Voss, GlasmuseumGlaskunst mit klaren Formen und Farben begeistert Lothar Voss. So ist sein Highlight im Glasmuseum Wertheim die Schale aus Lampenglas von Jürgen Schwarz (Lauscha/Thüringen). Das Ausstellungsstück aus dem Jahre 1988 beeindruckt nicht nur der Form wegen, auch die Farbkombination aus feurigem Orange und dunklem Braun fasziniert.