Trägerverein

Glasmuseum Wertheim e. V.

Ziel des „Glasmuseum Wertheim e. V.“ ist es:

  1. die Vielfältigkeit des Werk(t)stoffs Glas – seine Geschichte, Herstellung, Verarbeitung und Verwendung – anschaulich darzustellen,
  2.  zeitgenössische Glas-Themen zu Kunst und Technik durch Sonderausstellungen vorzustellen,
  3. verloren gegangene und heutige Glastechniken lebendig zu halten,
  4. Kindern und Jugendlichen den Werk(t)stoff Glas durch interaktive Glas-Spielstationen selbständig entdecken zu lassen,
  5. Plattform für Bildung, Forschung, Wirtschaft zu sein.

Vorstand

Paul Hahmann (1. Vorsitzender)

Eckhard Lenz (2. Vorsitzender)

Wolfgang Schuller (Ehrenvorsitzender)

Karin Haack

Jürgen Küchler

Marianne Tazlari

Gründer

Dr. Hans Löber
(1900 – 1978), Glasphysiker + Leiter des Glaswerk Wertheim (1950 – 1993) 1. Vorsitzender + Museumsleiter bis 1978 Nachfolgerin: Gertrud Löber

Seit 1995: Marianne Tazlari (Museumsleiterin)
1998 – 2008: Wolfgang Schuller (1. Vorsitzender)
Seit 2008: Paul Hahmann (1. Vorsitzender)

Das GLASMUSEUM WERTHEIM geht zurück auf eine Initiative des Glasphysikers und Glasunternehmers Dr. Hans Löber (1900 – 1978) aus Thüringen. Zusammen mit einer Gruppe thüringischer Glasfachleute, die sich nach 1945 in Wertheim ansiedelte, gründete er 1950 das „Glaswerk Wertheim“ (1950 – 1993, heute: Duran Group) und legte damit den Grundstein für die in Wertheim ansässige Laborglasindustrie. 1973 schloss er sich mit Mitgliedern der Wertheimer Laborglasindustrie zusammen und bildete den Trägerverein Wertheimer Glasmuseum e. V. (heute: GLASMUSEUM WERTHEIM e. V.).

Geschichte

Als der Begründer des GLASMUSEUM WERTHEIM, Dr. Hans Löber (1900 – 1978), im März 1943 in Ilmenau in Thüringen zur Gründung eines Glasmuseums aufrief, konnte er nicht wissen, dass sein Wunsch, ein Glasmuseum zu errichten, erst nach über 30 Jahren in Erfüllung gehen würde.

Als Unternehmer und Glasphysiker war er maßgebend bei der Gründung und dem Aufbau der Wertheimer Laborglasindustrie beteiligt und wurde der erste Leiter der Wertheimer Glashütte „Glaswerk Wertheim“ (gegründet 1950, geschlossen 1993).

Während all dieser Jahre bewahrte er immer den Traum von dem zu errichtenden Glasmuseum und sammelte Glas mit dem Ziel und unter dem Gesichtspunkt, es später einmal dem Glasmuseum übereignen zu können.

Als er zu Beginn der 1970er Jahre altersbedingt seine unternehmerischen Tätigkeiten langsam einschränken musste, schuf er sich den notwendigen persönlichen Freiraum, um das Glasmuseum ins Leben zu rufen. Zusammen mit einigen Gleichgesinnten gründete er einen Trägerverein – den Förderkreis Wertheimer Glasmuseum e. V., heute: GLASMUSEUM WERTHEIM e. V. – und übernahm dessen Vorsitz.

Das “Große Haus”

1972 erwarb die Stadt Wertheim die Löwenstein-Rosenbergsche Hofhaltung mit dem dazu gehörenden „Kallenbach’schen Haus“. Dr. Hans Löber veranlasste daraufhin den damaligen Bürgermeister Karl Josef Scheuermann, dieses Fachwerkhaus aus dem Jahre 1577 für das Glasmuseum zur Verfügung zu stellen. Das Haus, genannt „Großes Haus“, musste von Grund auf erneuert werden. Als Mitstreiter fand Dr. Hans Löber Hermann Thees, der ihn mit Rat und vor allem Tat unterstützte. Thees war ebenfalls Unternehmer im „Unruhestand“.

Am 29. Mai 1976 wurde das GLASMUSEUM WERTHEIM mit einer Ausstellungsfläche von 400 qm eröffnet. Auf drei Stockwerken konnte die Vielfältigkeit des Werkstoffs Glas gezeigt werden.

Im Erdgeschoss vermittelt das GLASMUSEUM WERTHEIM die Herstellung von Glas (Formenwand) und die Weiterverarbeitung von Glas (Museumswerkstatt).

Museumswerkstatt

Der Museumsglasbläser zeigt vor der 1200 °C heißen Flamme die Weiterverarbeitung von Glas. Er führ den Besucher*innen vor, wie aus einem Glasrohr eine Glaskugel geblasen wird, der Fuß eines Trinkglases aufgeschleudert oder ein Glastier heiß montiert wird. Auf Wunsch fertigt er Nachbildungen historischer Gläser, bläst jedem Besucher sein individuelles Glas für zu Hause und lädt die Besucher*innen ein, selbst eine Glaskugel zu blasen.

Museumsshop

Im Museumsshop können Besucher*innen Glasreplikate, Produkte der Wertheimer Glasindustrie, moderne Glaskunstobjekte erwerben oder gläserne Erinnerungen für zu Hause, für Freunde oder Familie erwerben. Damit unterstützen sie die Glashandwerkskunst und tragen zum Fortbestand des GLASMUSEUM WERTHEIM e. V. bei.

Die Sammlung A – Z

Im ersten und zweiten Obergeschoss zeigt das GLASMUSEUM WERTHEIM die mehr als 3000 jährige Glas-Geschichte, dank der von Dr. Löber gestifteten „Sammlung historischer Gläser“: vom ägyptischen Luxussalbgefäß bis zum Glas des Glas des 19. Jahrhunderts.

Glas-Kunst, dank der ebenfalls von Dr. Löber dem Förderkreis gestifteten Sammlung „Moderner internationaler Studio- und Lampenglaskunst“ sowie technische Glasprodukte, die sich insbesondere an der ortsansässigen Glasindustrie orientieren. Mit ca. 2300 Beschäftigten in ca. 25 Glas verarbeitenden Betrieben ist Wertheim heute nach Mainz das zweitwichtigste Zentrum der deutschen Laborglasindustrie (1950/60er Jahre: ca. 3000 Beschäftigte; 1970er Jahre: ca. 2800 Beschäftigte in ca. 80 Glas verarbeitenden Betrieben).

Das “Kleine Haus”

1996 stellte die Stadt Wertheim dem Förderkreis ein zweites Fachwerkhaus aus dem Jahre 1588 mit einer Ausstellungsfläche von 250 qm zur Verfügung. Dieses ebenfalls unter Denkmalschutz stehende Haus, genannt „Kleines Haus“, wurde von Stadt, Land, Förderkreis und Landkreis von 1996 bis 1997 restauriert.

1998 wurde das „Kleine Haus“ eröffnet und präsentiert dort vertiefend zu einzelnen Glas-Themen auf zwei Stockwerken:

– jährliche Wechselausstellungen (seit 2016: “Historische Christbaumschmuck-Sammlung” – Thüringen Christbaumschmuck-Industrie und seine Entwicklung von 1860 bis heute)

– das „Glasperlen-Kabinett“ (seit 1998, 1. OG) mit Glasperlen aus der Sammlung der Mainzer Wissenschaftlerin Thea Elisabeth Hävernick (1899 – 1982),

– das „Wissenschaftliche Glas-Kabinett“  (seit 2000, 1. OG)

– das “Paperweight-Kabinett” (seite 2012, 1. OG) mit der Sammlung Peter von Brackel

Im Erdgeschoss finden die jährlichen Wechselausstellungen statt, mit denen einerseits junge Glaskünstler gefördert und andererseits bestimmte Glasthemen zu Kultur, Geschichte, Technik und Kunst näher beleuchtet werden.
Seit 2016 präsentiert das Glasmuseum hier seine “Historische Christbaumschmuck-Sammlung” mit über 100 Jahre altem gläsernen Christbaumschmuck aus Thüringen und Gablonz/Böhmen (ab 1860 bis heute). Das GLASMUWUEM WERHTEIM erinnert damit an die Herkunft der Wertheimer Laborglasindustrie aus Thüringen. Dort verarbeiteten gegen Ende des 18. Jahrhunderts Thüringer Glasbläser erstmals Glasröhren und Glasstäbe „vor der Lampe“. Aus der anfänglichen Herstellung von Perlen, Früchten und Hohlglastieren für die Modeschmuck- und Spielzeugindustrie entwickelte sich bald eine florierende Christbaumschmuckindustrie (ab 1848), die um 1870 durch den Bau einer Gasanstalt in Lauscha (1867) und völlig neue Fertigungsmethoden zu einer gigantischer Formenvielfalt führte.

Das „Glasperlen-Kabinett“ gibt einen Einblick in die Entwicklung der ersten gläsernen Gegenstände und deren Rolle in Mythologie, Religion, als Handels- oder Modeobjekt. Die wissenschaftlich wertvolle und in Fachkreisen bekannte Glasperlen-Sammlung der Mainzer Wissenschaftlerin Thea Elisabeth Hävernick und die Glasperlen-Sammlung des Glasmuseums verdeutlichen das große handwerkliche Geschick, mit dem bereits die frühen Hochkulturen wahre Meisterwerke aus Glas schufen.

Das „Wissenschaftliche Glas-Kabinett“ zeigt die Entwicklung des Glases zum Instrument für Forschung und Wissenschaft und zum heute unentbehrlichen Werk(t)stoff der Industrie. Es wendet sich mit der didaktischen Aufarbeitung der Exponate (u. a. Barometer, Schusterkugeln, Glühlampen, Linsen) in erster Linie an Jugendliche, um deren Interesse an Wissenschaft und Technik zu fördern.

Das “Paperweight-Kabinett” mit über 600 gläsernen Briefbeschwerern der Sammlung Peter von Brackels aus Bad Honnef zeigt Paperweights aus der Zeit des späten Biedermeier, Historismus, Jugendstils, Art déco bis hin zur Neuzeit, wie sie in Deutschland, Böhmen, Schlesien, Belgien, Italien, Frankreich und anderen europäischen Ländern hergestellt wurden. Zu sehen sind sehr seltene so genannte „klassische“ Paperweigths aus der Zeit von 1840/42 bis um 1860/70 (“Millefiori”-, Sulfid-, Lampenglas-Paperweights”), der „frühen nachklassischen“ Zeit von ca. 1870/80 bis um 1905/10 (“Volkskunst”- bzw. “Arbeitspausen”-Paperweights”, der “sonstigen nachklassischen“ Zeit von ca.1880/90 bis 1945 sowie Sammlerstücke von heute.

Heute

Heute stehen dem GLASMUSEUM WERTHEIM mit seinen zwei Häusern 650 qm Ausstellungsfläche zur Verfügung. In diesen beiden Häusern zeigt das GLASMUSEUM WERTHEIM einen der faszinierendsten und vielseitigsten Werkstoffe des Menschen: GLAS. Um diese Vielfältigkeit dem Besucher anschaulich und be-„greifbar“ zu vermitteln, wurde das Glasmuseum 2006 völlig neu gestaltet.

Von A wie Altglas bis Z wie Zeiss-Linse durchschreitet der Besucher wie in einem Glas-Lexikon die mehr als 3000jährige Glasgeschichte. Anschaulich und auf spielerische Weise entdeckt er an kontrastreichen Glas-Beispielen den engen Zusammenhang zwischen der Geschichte des Glases und der Geschichte menschlicher Kultur.

Seit April 2006 ist das GLASMUSEUM WERTHEIM Mitglied im Bundesverband der Kinder- und Jugendmuseen (BDKJ). 35 Glas-Spielstationen zum Anfassen, Spielen, Experimentieren und Ausprobieren, darin eingeschlossen die beiden Spiel- und Experimentierfelder „Linsen, Lupen, Licht bewegen“ und „Messen mit Glas“, die das GLASMUSEUM WERTHEIM 2005 mit der Ochsenfurter Spielbaustelle (Würzburg-Kist) eingerichtet hat, orientieren sich am „Hands On!“-Prinzip des internationalen und europäischen Kindermuseumsverbands. Die Glas-Spielstationen ermöglichen Kindern und Jugendlichen das Glasmuseum auf spielerische Weise selbst zu entdecken und die Vielfältigkeit des Werk(t)stoffes Glas mit allen Sinnen zu begreifen: Glas sehen – fühlen – hören – begreifen.

Dank Unterstützung der Förderer und Sponsoren, dank umsichtiger und der Zeit angepasster Haushaltsführung und dank sich dem Glas und seiner Besucher einsetzender Mitglieder hofft der Förderkreis GLASMUSEUM WERTHEIM e. V. sich weiterhin selbst tragen zu können und eines der wenigen finanziell unabhängigen Museen des Landes zu bleiben.